Pressemitteilung -
Ein Jahr Einwegpfand in Österreich: Rücklauf ja – Reduktion nein
STATEMENT: Culligan Austria Geschäftsführer Robert Stolz über ein Jahr Einwegpfand in Österreich
Ein Jahr Einwegpfand in Österreich: Rücklauf ja – Reduktion nein
Wien, Dezember 2025: Ein Jahr nach Einführung des Pfands ist klar, es hat Veränderungen gebracht. Rückgabestellen sind flächendeckend verfügbar, Handel und Logistik haben neue Prozesse etabliert und das Verhalten vieler Konsumentinnen und Konsumenten hat sich an die neue Struktur angepasst. All das ist positiv zu bewerten. Doch ebenso klar ist: Die Menge an Einwegplastik ist nicht gesunken und die strukturelle Abhängigkeit von Einweggebinden bleibt bestehen. Wir sehen vor allem bei Wasser in Plastikflaschen keinen relevanten Benefit für die Umwelt durch das Pfandsystem. Ein Blick auf die Statistiken zeigt: In Österreich wurden im Jahr 2024 allein für den Konsum im Inland 700 Millionen Liter Mineralwasser abgefüllt. Die 1,5 Liter PET-Flasche ist dabei mit Abstand am stärksten nachgefragt, gefolgt von der 0,5 Liter PET-Flasche.[1]Die Umweltbelastung durch die Herstellung dieses Plastiks ist durch das Pfandsystem völlig unverändert geblieben.
Und diese Belastung ist massiv! Laut einer unabhängigen ESU‑Studie aus dem Jahr 2023 zur Trinkwasserversorgung in Deutschland liegt die Umweltbelastung für Mineralwasser in PET-Einwegflaschen etwa im Bereich von 150–200 Gramm CO₂ pro Liter (zum Vergleich: Bei Leitungswasser sind es lediglich ca. 0,2–0,5 Gramm pro Liter). Das bedeutet: PET-Flaschen verursachen rund 300- bis 1.000-mal höhere Treibhausgasemissionen als Leitungswasser, abhängig von Transportdistanz und Recyclingquote. Die größten Treiber dabei sind: Herstellung des PET-Materials, Abfüllung und Transport und Entsorgung/Recycling.[2]
Alltagsbild am Pfandautomaten
Immer wieder liest man, dass der Großteil der Bevölkerung das Pfandsystem befürwortet. Unsere Erfahrung zeigt aber vielmehr, dass die meisten das System zwar akzeptieren aber zunehmend frustriert sind: Wegen des Rückgabeaufwands, der Verluste und nicht zuletzt, weil man sich das System einfacher vorgestellt hat, als es letztendlich ist.
Tatsache ist, dass die notwendige Digitalinfrastruktur in Österreich nicht optimal geschaffen wurde. Viele Abläufe – wie etwa die Ausgabe und Einlösung der Pfandbons – sind analog, schwerfällig und fehleranfällig. Auch die vollen Müllcontainer neben den Pfandautomaten zeigen, dass längst nicht jedes Leergut, das zurückgebracht wird, auch tatsächlich im Pfandautomaten landet. Wenn Flaschen oder Dosen leicht beschädigt sind, werden sie oft nicht angenommen.
Und dennoch: Vor allem unterwegs entscheidet die Bequemlichkeit: Denn wo Refill-Möglichkeiten fehlen, gewinnt das Flaschenwasser aus rein praktischen Gründen. Aus dieser Realität heraus entsteht die Erwartung, dass ein Pfandsystem grundlegende ökologische Probleme lösen könnte. Aber das ist schlichtweg ein Trugschluss.
System mit Potential – aber Schwächen bei der Umsetzung
Natürlich hat das System auch seine Stärken. Die Rücklaufquote ist im ersten Jahr spürbar gestiegen. Besonders unterwegs gekaufte Flaschen werden nun häufiger zurückgegeben. Das ist ein Fortschritt. Gleichzeitig zeigt sich aber, dass diese Rückgabequote teuer erkauft ist: Unternehmen berichten uns immer wieder von erheblichen logistischen und organisatorischen Herausforderungen. Auch von öffentlichen Einrichtungen wie Spitäler etc. hören wir, dass das Flaschenhandling grundsätzlich aufwendig ist und dies durch das Pfandsystem noch verstärkt wurde. In großen Betrieben verursacht der Pfandschwund teils Tausende Euro an Jahresverlusten.
Gewinner und Verlierer des Pfandsystems
Bei der Frage nach Gewinnern und Verlierern ergibt sich ein klares Bild. Gewinner sind die Abfüller, die Anbieter von Rücknahmeautomaten sowie Entsorgungs- und Systemdienstleister und nicht zuletzt der Handel. Aufgrund der Neuheit des Pfandsystems in Österreich, gibt es hierzulange noch keine Studien, die sich mit dem Thema Pfandschlupf beschäftigen. In Deutschland, wo es das Pfandsystem bereits seit dem Jahr 2000 gibt, ist das anders. Eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) hat dort bereits im Jahr 2015 errechnet, dass Einwegabfüller und Einzelhandel in den Jahren seit der Pfandeinführung mindestens 3,5 Milliarden Euro eingenommen haben.[3]In Österreich gibt Recycling Pfand Österreich an, dass für 2025 eine Rücklaufquote von 80 Prozent erreicht wird. Das entspricht über eine Milliarde zurückgebrachter Einweggebinde[4]. Bei solchen Mengen wird schnell klar, dass wir bei den verbleibenden 20 Prozent von Beträgen in Millionenhöhe sprechen, die durch den Pfandschlupf entstehen. Wohin genau dieses Geld fließt, ist in Österreich bislang nicht transparent einsehbar.
Verlierer hingegen sind jene Betriebe, die keine Rückgabestrukturen einrichten können – etwa Baustellen, mobile Arbeitsplätze, Außendienste, Bildungseinrichtungen oder gastronomische Betriebe mit hohem Logistik- und Lageraufwand. Nicht zuletzt sind auch Konsumentinnen und Konsumenten betroffen, die bei Pfandverlust schlicht mehr bezahlen. Nach einem Jahr Pfand zeichnet sich immer mehr ab, dass der Wunsch nach einer unkomplizierten Lösung deutlich gewachsen ist.
Vermeidung ist das Schlüsselwort und die beginnt bei der Produktion
Doch welche Schritte braucht es, um diesen Wunsch zu erfüllen? Ich sehe hier in erster Linie besser zugängliche öffentliche Refill-Stationen, die hygienisch, sichtbar und barrierefrei sind. Nur wenn das Nachfüllen so bequem ist wie der Griff zur Flasche, wird es Teil des Alltags. Ebenso wichtig sind einfache Möglichkeiten, Leitungswasser zu verbessern oder aufzubereiten – sowohl privat als auch in Arbeitsumgebungen. Dazu gehört auch mehr Bewusstsein über die Umwelt- und Gesundheitsfolgen von Flaschenwasser, etwa hinsichtlich Transportemissionen oder Mikroplastik.
Denn echte Veränderung kann und wird nur durch eine Kultur der Vermeidung und nicht der Rückgabe entstehen. Politische und gesellschaftliche Anreize können helfen, den Umstieg auf nachhaltigere Trinkwassernutzung zu erleichtern. Regionen, Großunternehmen, öffentliche Einrichtungen wie Bahnhöfe, Flughäfen usw. oder auch Veranstalter von Großevents wie Messen, Kulturveranstaltungen, Festivals etc. können hier als Vorbilder fungieren und einen wichtigen Impuls geben, indem sie Refill-Infrastruktur selbstverständlich machen.
Internationale Best Practice Beispiele und Fazit
Ein Blick ins Ausland zeigt, dass bereits Städte vorzeigen, wie es anders gehen kann: Italien setzt mit seinen „Case dell’acqua“ seit Jahren auf öffentliche Refillstationen. Auch Paris und Berlin bauen ihre Refill-Netzwerke konsequent aus.
Mein persönliches Fazit nach einem Jahr Einwegpfand lautet daher: Das Pfand war ein Schritt – aber ein Schritt innerhalb eines unveränderten Systems. Es ist mehr ein Reparaturmechanismus als ein Lösungsansatz. Wenn wir das ökologische Problem von Einwegplastik ernsthaft lösen möchten, müssen wir an den Anfang der Kette zurückgehen. Nicht die Rückgabe entscheidet über Nachhaltigkeit, sondern die Frage, ob eine Plastikflasche überhaupt produziert wird. Erst wenn diese Perspektive Teil der politischen und gesellschaftlichen Diskussion wird, kann sich langfristig etwas ändern.
[1] Quelle: https://www.oesterreich-isst-informiert.at/industrie/statistik-oesterreichs-mineralwassermarkt-in-zahlen/|10.12.2025
[2] Quelle: https://wvgw.de/wp-content/uploads/2023/07/meili-2023-LCA-Trinkwasserversorgung-in-Deutschland.pdf|10.12.2025
[3] Quelle: Naturschutzbund Deutschland (NABU): https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/ressourcenschonung/einzelhandel-und-umwelt/mehrweg/21967.html|10.12.2025
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Über Culligan | aqua alpina: Culligan Austria ist österreichischer Marktführer im Bereich Wasserspender und konzentriert sich auf nachhaltige Wasserlösungen und Umweltbewusstsein. Mit einem klaren Fokus auf die Reduzierung von Einwegplastik und die Förderung eines nachhaltigen Lebensstils setzt Culligan innovative Technologien ein, um positive Veränderungen in der Welt herbeizuführen. Besuchen Sie www.culligan.at für weitere Informationen.